Johann Wolfang von Goethe, ein Anwalt, der aus der Dunkelheit zur Lichtgestalt der Weltliteratur werden sollte, wurde 1749 n. Chr. in Frankfurt am Main geboren. Goethe war ein Bürger durch und durch. Im Gegensatz zu anderen Künstlern dieser Zeit war er nicht auf reiche Förderer oder eine gewinnträchtige Anstellung angewiesen.
Goethe, der Sohn eines wohlhabenden Juristen, lebte nach einem Studium des Rechts in Leipzig und Straßburg vom ererbten Vermögen seines Vaters und konnte sich so Reisen nach Italien, Frankreich und in die Niederlande leisten. Im April 1770 begann Goethe mit seiner Promotion, doch seine Dissertation zum Thema der Rechtmäßigkeit der zehn Gebote war zu skandalös und wurde abgelehnt. Ohne einen Abschluss zu haben, traf Goethe den jungen Johann Herder, der bereits als literarischer Intellektueller zu Berühmtheit gekommen war und ihm die Werke Shakespeares nahebrachte.
Goethe hatte vorübergehend (eine langweilige) juristische Anstellung, doch der Drang zu schreiben war einfach größer. Im Herbst 1771 beendete er den ersten Entwurf seines ersten Stücks, 1774 stellte er seinen ersten Roman fertig. Beide wurden nicht sofort veröffentlicht, aber Freunde und andere lasen das Manuskript und schon bald war Goethe zum festen Bestandteil der deutschen Literaturbewegung des Sturm und Drang geworden. Dieser war von einem politischen Liberalismus und einer Hingabe an Herders Ideal einer nationalen deutschen Kultur gekennzeichnet.
Nach einer Reihe von Affären und einer nicht gerade auf die feine Art endenden Verlobung brach Goethe 1776 zu einer Reise durch Italien auf. Er kam dort jedoch nie an, da er eine Einladung des neuen Herzogs Karl August von Weimar erhalten hatte. Den Rest seines Lebens - bis auf die Episode von 1786 bis 1788, als er Italien doch noch besuchte - sollte er in Weimar bleiben und dort schreiben. Sein unglaubliches Werk, das er bis zu seinem Tod 1832 verfasste, sollte schließlich 142 Bände füllen.