Timur (im Westen auch als "Timur der Lahme" oder "Tamerlan" bekannt), war ein turkstämmiger mongolischer Kriegsherr des 12. Jahrhunderts; ein furchteinflößender, unbarmherziger Herrscher, der aus bescheidenen Verhältnissen stammte. Doch bis zu seinem Tod hatte er in Iran und Zentralasien eine Dynastie aufgebaut, die in diesem Gebiet eine kulturelle Blütezeit einleitete.
Er wurde 1336 in der Nähe von Samarkand, einem streitbaren Teil der Welt in einem streitbaren Zeitalter, geboren. Weniger als ein Jahrhundert zuvor war Dschingis Khan mit seinem Mongolischen Reich über die Ebenen Zentralasiens gefegt und hatte die Region in mehrere Nachfolge-Königreiche aufgeteilt. Timur wurde als Nachfahre einer mongolischen Gruppe im Tschagatai-Khanat geboren, die sich im Gebiet des heutigen Usbekistan niedergelassen hatten. Timurs Karriere begann als Anführer einer kleinen Nomadentruppe und mit Hilfe der gleichen Mischung aus unkonventioneller berittener Kriegsführung, politischer Intrige, diplomatischen Verhandlungen und einem schrecklichen Ruf, die auch Dschingis Khan eingesetzt hatte, stieg er noch vor seinem 40. Geburtstag zum Herrscher über ganz Transoxanien auf. Er verbrachte den Rest seines Lebens im Krieg.
Timur sah sich als Wiederhersteller des Mongolischen Reiches und seine Liste von Eroberungen und erfolgreichen Kampagnen ist beeindruckend. Er zog zuerst gegen Persien und eroberte dann Gebiete in Nordindien, Russland, Georgien, Mesopotamien, Syrien und Ägypten, bevor er zu Beginn seines China-Feldzugs im Jahr 1405 starb. Doch er war kein großmütiger Eroberer: Timurs Kampagnen sind für Brutalität und Blutvergießen bekannt. In der Stadt Aleppo versklavte er alle Kunsthandwerker und schleppte sie in Ketten zurück in seine Hauptstadt Samarkand. Von den Städten Delhi und Bagdad ließ er nur Ruinen übrig. Von zeitgenössischen Schreibern wurde er beschuldigt, Türme und Pyramiden aus den Schädeln seiner Feinde aufgehäuft zu haben, was nicht ganz abwegig erscheint.
Obwohl Timur nur wenig Zeit in seiner Hauptstadt Samarkand verbrachte, baute er sie protzig und üppig aus. Nach seinem Tod wurde die Stadt zu einem Zentrum der Kunst und Kultur, in dem sich Einflüsse der seldschukischen Türken (wie zum Beispiel ihr architektonischer Stil) mit persischen Einflüssen (wie Kunst und Schrift) und den althergebrachten Handelstraditionen mischten. Seine Nachkommen konnten die von ihm eroberten Gebiete nahezu ein Jahrhundert lang halten, bevor das Timuridenreich schließlich an Familienmorden und internen Zwistigkeiten zerbrach.
In den weisen Geschichten von Nasreddin erscheint Timur manchmal als grausamer, mächtiger Gegenpart zu Nasreddins einfacher Bauernschläue. Die Geschichten sind durchaus von Interesse und lesenswert.