Jane Drew (eigentlich Iris Estelle Radcliffe Drew, später dann Dame Jane Drew) kam im März 1911 als Tochter eines Entwicklers chirurgischer Geräte und des späteren Gründers des British Institute of Surgical Technicians in Croydon zur Welt. Sie wurde ebenso berühmt wie ihr Vater, allerdings als Architektin und Stadtplanerin. 1934 machte sie ihren Abschluss an der Architectural Association School in London und gewann kurz darauf einen Wettbewerb für die Planung eines Krankenhauses in Devon. Da der Bereich Architektur damals ausschließlich von Männern dominiert war, war dieser Erfolg wahrlich etwas Besonderes. Kurz darauf heiratete Drew den Architekten James Allison und arbeitete für sein Unternehmen. Modern wie sie war, behielt sie allerdings ihren Mädchennamen.
Obwohl die Ehe 1939 in die Brüche ging, ging sie völlig darin auf, Mutter ihrer beiden Zwillingstöchter zu sein. Mit ihrer direkten Art, ihren feministischen Idealen und ihrer scharfen Zunge (man musste sie entweder hassen oder lieben) ging sie ihren eigenen Weg als Architektin. Sie wurde sogar Mitglied des Congrés International d’Architecture Moderne, wo sie Bekanntschaft mit dem berühmten Le Corbusier und dem nicht ganz so berühmten Maxwell Fry machte. Letzteren heiratete sie 1942 - eine Partnerschaft, die die Stadtplanung revolutionieren und das Antlitz zahlreicher ehemaliger britischer Kolonien verändern sollte.
In Ghana, Nigeria, im Iran, in Sri Lanka, Singapur, Indien und sogar in Schottland sind Drews Aufsehen erregende, funktionale, modernistische Werke zu bewundern, die oftmals kontrovers diskutiert wurden. Am berühmtesten wurde jedoch die Kooperation mit Le Corbusier bei der Planung von Chandigarh, einer neuen Stadt im Punjab nach der indischen Unabhängigkeit.
Nach ihrem Ruhestand 1979 verfasste Jane zahlreiche Publikationen über Architektur, wurde mit Ehrenwürden überhäuft und 1996 von der Queen zur "Dame of the British Empire" ernannt, bevor sie im Juli desselben Jahres verstarb.