Der Grieche Isidor von Milet war bereits, bevor Justinian I. ihn mit dem Bau der Hagia Sophia in Konstantinopel beauftragte, ein angesehener Mathematiker und Architekt. Seine Karriere liest sich wie aus dem Bilderbuch. Er lehrte an den Universitäten von Alexandria und Konstantinopel, stellte die erste umfassende Sammlung der Schriften des Archimedes zusammen und entwarf Bäder und Tempel. In die Weltgeschichte ging er jedoch durch den Bau der großen Basilika ein.
Die erste Basilika dort war im Jahr 360 n. Chr. fertiggestellt worden, wurde jedoch beim Nika-Aufstand schwer beschädigt - ebenso wie die meisten anderen Bauten der Stadt. Der Nika-Aufstand von 532 entzündete sich an Streitigkeiten zwischen den Blauen und den Grünen - Fans der rivalisierenden Streitwagenfahrer im Hippodrom - und endete mit einer halb niedergebrannten Stadt und 30.000 Todesopfern. Der gläubige Justinian wünschte sich eine Kirche, die man nicht niederbrennen konnte. Er wandte sich daher an Isidor und Anthemios von Tralleis.
Ihre Entwürfe orientierten sich an der klassischen römischen Architektur und (damals) modernen Bautechniken. Das Zentrum der Basilika bildete eine Halle von rund 80 m Länge und 70 m Breite mit einer gewaltigen Kuppel - die größte Kirche im orthodoxen Reich. Die Hagia Sophia wurde dank Tausender "freiwilliger" Arbeiter und Bergen von Rohmaterial, das die Untertanen des Reiches "gespendet" hatten, in nur fünf Jahren fertiggestellt. Isidor starb wahrscheinlich noch vor 558, denn als die Kuppel in diesem Jahr bei einem Erdbeben zu Schaden kam, beaufsichtigte sein Neffe Isidorus die Reparaturen.