Pachacútec führte die Inka aus ihrem abgeschiedenen Leben im Stadtstaat Cusco hinaus und machte sie zu einer der geordnetsten, mächtigsten und fleißigsten Zivilisationen auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Unter seiner Herrschaft wurden die Inka zu Eroberern und festigten ihre diplomatische Stellung, womit sie den Grundstein für das Aufblühen ihres Reichs legten. Da die Überlieferungen der Inka überwiegend mündlich erfolgten, ging ein Großteil ihrer Kulturgeschichte bei der Auflösung des Inkareichs im 16. Jahrhundert verloren. Nur wenige Einzelheiten aus dem bemerkenswerten Leben von Pachacútec haben diesen Zusammenbruch überlebt.
Er wird als neunter Herrscher von Cusco genannt und soll ursprünglich den Namen Cusi Yupanqui getragen haben. Als jüngerer Sohn von Viracocha Inca sollte er eigentlich gar nicht den Thron erben, doch als der benachbarte Chanka-Stamm in Cusco einfiel und Viracocha mit seinem Erben die Flucht ergriff, blieb Cusi Yupanqui zurück und verteidigte Cusco erfolgreich. Der Legende nach sollen sich selbst die Steine erhoben haben, um Cusco zu verteidigen. Daher erhielt Pachacútec seinen neuen Namen, der im Quechua so viel wie "Verwandler der Erde" bedeutet.
Mit seinem Sieg verdiente er sich das Ansehen der Bevölkerung und als Viracocha starb, wurde er seines Vaters Nachfolger. Pachacútec begann sofort, sein Reich durch Eroberungen zu vergrößern. Seinen potenziellen neuen Untertanen bot er ein soziales Miteinander und Wohlstand an, wenn sie sich friedlich in das Reich einfügten. Nahmen sie dieses Angebot an, so wurden die Herrscher nach Cusco gebracht, wo man sie den Regierungsstil der Inka lehrte, oder sie wurden mit Verwandten von Pachacútec verheiratet. Wer jedoch ablehnte, wurde mit Militärgewalt bezwungen.
Cusco entwickelte sich während Pachacútecs Herrschaft zu einer Hauptstadt, die eines Kaisers würdig war. Die inkaische Religion, die sich um den Sonnengott Inti rankte, wurde ausgeweitet, und die Rolle der Priester im Reich wurde gefestigt. Pachacútec soll selbst eine Reihe von Hymnen an das Inka-Pantheon komponiert haben, die während der Kolonialzeit von spanischen Schreibern aufgezeichnet wurden. Möglicherweise etablierte er auch das Inti Raymi, das Sonnenfest, mit dem in den Anden der Beginn des neuen Jahres gefeiert wird. Pachacútec war ein großer Erbauer. Er ließ das gigantische königliche Anwesen Machu Picchu, diverse Bewässerungsanlagen, Terrassenfelder, Straßennetze und Herbergen für Reisende errichten.
Als Pachacútec 1471 verstarb, ging die Macht friedlich auf seinen Sohn Tupac Inka Yupanqui über, der während der Herrschaft seines Vaters als Mitregent oder Kommandant auf dem Schlachtfeld gedient hatte. Die Tatsache, dass die späteren Sapa Inca keine unangefochtene Nachfolge etablieren konnten, lässt Pachacútecs Ruf noch glänzender erscheinen.
Pachacútec etablierte die Grundlagen der Inka-Herrschaft: eine starke und kompetente zentrale Autorität, eine durchorganisierte Bevölkerung und das Mita-System zur Einteilung der Schichten für öffentliche Arbeiten. Er war jedoch durchaus bereit dazu, unzählige Menschen der Unterschicht auszunutzen, um seine Ziele für das Reich zu verfolgen, und die Inka führten Kriege, um ihr Gebiet auszuweiten. Dennoch muss man anerkennen, dass er ein bemerkenswertes Leben führte, obwohl er ursprünglich nie erwartet hatte zu regieren, und dass die Inka bei seinem Tod auf dem besten Weg waren, eine der größten Zivilisationen der Neuen Welt zu werden.