Laut den meisten Gelehrten war Horatio Nelson, 1. Viscount Nelson, 1. Baron Nelson, Herzog von Bronté, der größte Seekampfstratege aller Zeiten - obwohl zwei seiner drei berühmten Siege durch Angriffe auf vor Anker liegende Schiffe errungen wurden, eins davon gehörte gar zu einer neutralen Nation. Zudem kämpfte er stur gegen die Befreiungsbewegung an und schlug unter anderem die republikanische Revolte in Neapel zurück. Das Erbe des großen englischen Helden ist also nicht ganz ohne Kontroversen.
Der 1758 als sechstes von elf Kindern einer recht wohlhabenden Familie in Burnham Thorpe im englischen Norfolk geborene Horatio heuerte im Alter von 12 Jahren bei der Royal Navy an. Dort erwies er sich als so gewissenhaft und selbstbewusst, dass er innerhalb von 20 Jahren zum Kapitän aufstieg ... Dass sein Onkel Maurice Suckling Comptroller bei der Navy war, schadete dabei sicher auch nicht. Nelson erlebte seine erste Seeschlacht während der amerikanischen Revolution bei den Westindischen Inseln, wo er unterlegene spanische Schiffe und Städte anging. Doch die Royal Navy war durch die amerikanische Unabhängigkeit finanziell gebeutelt und so kehrte Nelson nach England zurück, wo er auf unabsehbare Zeit bei nur halbem Lohn auf Landurlaub war.
Während der Französischen Revolution nahm Nelson erneut seinen Dienst auf, da die Engländer (wieder einmal) entschlossen waren, diesem ganzen demokratischen Quatsch ein Ende zu bereiten. Nelson erwies sich als ausgezeichneter Kommandant: wagemutig, kühn, oft sogar tollkühn, dabei jedoch ernsthaft und von seinen Männern respektiert - und selbstbewusst genug, sich Befehlen zu widersetzen, beispielsweise, als er das Kommando erhielt, sich vom Angriff auf die neutrale dänische Flotte in Kopenhagen zurückzuziehen. Er büßte bei seinen Schlachten sein rechtes Auge (1794 vor Korsika) und einen Arm (1797 beim Angriff auf Santa Cruz de Tenerife) ein. Den Höhepunkt seiner Erfolge erreichte er 1805 mit seinem großen Sieg über die französisch-spanische Flotte in der Schlacht von Trafalgar, wo Nelson an Bord seines Flaggschiffs HMS Victory durch die Kugel eines französischen Scharfschützen ums Leben kam. Laut Schiffsarzt William Beatty waren seine letzten Worte: "Gott sei Dank habe ich meine Pflicht erfüllt."