Mykola Dmytrowytsch Leontowytsch wurde 1877 in der Ukraine in die vierte Generation einer Familie von Dorfpriestern geboren. Im Januar 1921 wurde er im Haus seiner Eltern ermordet - entweder von einem gewöhnlichen Einbrecher oder von einem Agenten des sowjetischen Geheimdienstes Tscheka, je nachdem, welcher Version der Geschichte man Glauben schenkt. Dazwischen wurde Leontowytsch zum einflussreichsten ukrainischen Komponisten, Chorleiter und Musiklehrer und zu einer Ikone der ukrainischen nationalistischen Bewegung.
Nach Abschluss seiner ziemlich bewegten schulischen Laufbahn studierte Mykola ab 1892 am Seminar in Kamenez-Podolski Theologie. Er begann, Violine zu spielen, und versuchte sich an der Komposition von Musik- und Chorstücken. Als der Chorleiter des Seminars verstarb, bot man Leontowytsch den Posten an, der das Repertoire darauf um weltliche Musik, vor allem ukrainische Volkslieder, ergänzte.
Nach seinem Abschluss 1899 entschied sich Leontowytsch gegen das Priestertum und verdiente seinen Lebensunterhalt stattdessen als Lehrer an privaten und öffentlichen Schulen, unter anderem in Kiew. Er unterbrach seine Arbeit durch Studien in Kiew und St. Petersburg und komponierte offenbar Stücke basierend auf ukrainischen Motiven. Seine Werke aus dieser Zeit - darunter auch das berühmte Arrangement des Liedes "Schtschedryk" (im angelsächsischen Raum besser bekannt als "Carol of the Bells") 1916 - gelten als meisterliche Schöpfungen.
Kurz darauf ging im Russischen Kaiserreich alles drunter und drüber. Da die Revolution ausbrach und 1918 die unabhängige Ukrainische Volksrepublik ausgerufen wurde, zog Leontowytsch mit seinen überlebenden Angehörigen nach Kiew. Als die Stadt jedoch von den Weißrussen eingenommen wurde, erlagen führende ukrainische Persönlichkeiten aus den Bereichen der Künste und Wissenschaft häufiger "Unfällen". Ende 1919 siedelte Leontowytsch daher in das abgelegene Tultschyn um, wo er mit der Arbeit an seiner ersten Symphonie begann. Er kam damit jedoch nicht sehr weit, sondern wurde zum ukrainischen Märtyrer.