Als der chinesische Komponist Liu Tianhua 1932 im Alter von 37 Jahren starb, hatte er lediglich etwa zwölf Stücke komponiert, zehn davon für die Erhu, ein zweisaitiges Instrument. Bis heute gilt dieses kleine Repertoire als das bedeutendste für das Instrument, das so eng mit der chinesischen Kultur verknüpft ist.
Der in Jianqyin geborene Liu stammte aus einer Intellektuellenfamilie - sein Vater war ein anerkannter Gelehrter der Qing-Dynastie, einer seiner Brüder ein beliebter Musiker und der andere Bruder ein Dichter. Liu begann schon früh, Musik zu studieren - darunter klassische westliche Kompositionen - sowie Geige und Trompete zu lernen. Im Laufe der Jahre wuchs seine Leidenschaft für traditionelle chinesische Musik und ihre Rolle im modernen China. Zu seinen größten Leistungen zählen sicherlich seine Verbesserungen am Design der Erhu, die von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurden.
Sein Lehrstuhl für Musik an der Universität von Peking war ein Wendepunkt in seiner Karriere. So konnte Liu seine Praxis und Theorie der chinesischen Musik weiter vertiefen und an seine Studenten weitergeben. Nebenbei begann er Konzerte zu geben, und von 1930 an war er zugleich ein bekannter Künstler und Gelehrter. Aufgrund seiner Vertrautheit mit westlichen pädagogischen Traditionen entwickelte er innovative Methoden, traditionelle chinesische Musik zu lehren. Als Akademiker verfasste er fortschrittliche Studien für die Erhu und die Pipa - das erste Mal, dass solche Studien in wissenschaftlicher Literatur auftauchten.
Die Jahre 1923 bis 1932 waren die produktivsten in seinem kurzen Leben als Komponist. All seine Kompositionen datieren aus diesen neun Jahren, und er arrangierte und übertrug eine Reihe traditioneller Stücke für die Erhu. Nur zwei Jahre nach seinem ersten Konzert seiner eigenen Stücke - darunter Kompositionen wie "Weg zum Licht" und "Herrliche Nacht" - erkrankte er und starb.