Ihre Arbeit und ihr Leben wurden von ihrem Bekannten Johann Wolfgang von Goethe folgendermaßen zusammengefasst: "Sie ist die vielleicht kultivierteste Frau in Europa." Sie war ein Wunderkind, ist weit gereist, hat Porträts von englischen Adligen gemalt, war unglaublich populär und wohlhabend, eine Anführerin des Klassizismus, Mitglied der Accademia di San Luca in Rom und eine der beiden Frauen, die mithalfen, die Royal Academy von England zu gründen. In der Tat bemerkenswert.
Maria Anna Angelica Catharina Kauffmann kam im Oktober 1741 im schweizerischen Chur auf die Welt. Ihr Vater war der Porträt- und Freskenmaler Joseph Johann Kauffmann. Sobald sie dazu imstande war, ein Stück Kreide zu halten, fing sie an zu malen und begann, die Kunstdrucke ihres Vaters zu kopieren. Johann, der ihr Talent erkannte, brachte ihr dann verschiedene Zeichen- und Maltechniken bei. Im Alter von 11 malte sie schließlich ein Portrait des Bischofs von Como, ihre erste Auftragsarbeit.
Mit zunehmendem Alter wuchs auch ihr Ruf und es folgten zahlreiche Auftragsarbeiten für die Reichen und Schönen. Im Jahr 1760 zog die Familie nach Mailand, da Johann wollte, dass seine Tochter die Werke der großen Renaissance-Meister studierte. Doch Angelica spielte mit der Idee, eine Karriere als Opernsängerin anzustreben. Ein Freund der Familie warnte sie jedoch, dass die Oper ein gefährlicher Ort voller zwielichtiger Gestalten sei und zu einem Leben sexueller Verfehlungen führen würde ... Ihr Vater schaffte es schließlich, sie davon zu überzeugen, sich für die Malerei zu entscheiden.
1766 zog Angelica von Rom nach London, wo sie auch schon eine Berühmtheit war. Sie konnte sich vor Aufträgen kaum retten und lernte sogar den Prinzen von Wales persönlich kennen. Die Oberschicht von England stritt sich förmlich um ihre Dienste. 16 Jahre später galt sie als größte Porträtmalerin ihrer Zeit. Ihre letzte Heimat fand sie wieder in Rom, wo sie 1807 starb.