Die Ethnologin Margaret Mead wurde einst gefragt, was für sie das wesentliche Merkmal einer Zivilisation sei. Sie antwortete "ein verheilter Oberschenkelknochen". Damit zielte sie auf das Bedürfnis ab, schutzlosen oder schwachen Mitgliedern der Gesellschaft zu helfen. Die Zivilisation sei hierbei das System, das uns in gegenseitiger Unterstützung mit anderen verbindet. Meads anthropologische Betrachtungen beruhten auf tiefgehender Ethnographie. Sie sammelte Daten, indem sie mit Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenlebte und versuchte, sie über gemeinsame Erlebnisse zu verstehen. Der Blick durch andere Augen gewährt Anthropologen die Möglichkeit, Dinge zu hinterfragen, die in der Gesellschaft für selbstverständlich gehalten werden. Meads Studien der Jugend und Sexualität in Samoa stellte die konservativen amerikanischen Kulturnormen in Frage und war entscheidend für die sexuelle Revolution in den 1960er Jahren. Statt einer Periode, in der das Thema Sexualität für Jugendliche tabuisiert wurde, und des daraus entstehenden natürlichen Konflikts zwischen Eltern und ihren Kindern, stieß Mead auf eine offenere Akzeptanz von Sexualität und weniger Konflikte. Dies und Meads interpretativer Ansatz (für sie war die Anthropologie eher wie Geschichte oder Literatur und keine Naturwissenschaft) führten zu Gegenwind aus bestimmten Kreisen, der eher mit der Politik des heutigen Amerika zu tun hatte als mit der Qualität ihrer Arbeit.
Mead legte in großen Teilen die Grundlagen der heutigen Anthropologie. Auch wenn ihre Werke nicht so verbreitet sind wie andere, teilen viele Ethnologen heute ihre Ansichten darüber, wie andere Gesellschaften sich definieren, ihr Leben führen, lieben und fühlen. Mead starb 1978 und wurde ein Jahr später im Jahr 1979 mit der Presidential Medal of Freedom geehrt.