Für eine Spinne ist Anansi weit gereist. Dieser Schwindler aus zahlreichen Geschichten der Akan, einer Volksgruppe im heutigen Ghana, wird manchmal als Mensch, manchmal als Spinne und manchmal als Mischwesen dargestellt. Die Geschichten von Anansi wurden von westafrikanischen Gruppen weitergetragen und durch Sklaven auch in die Neue Welt gebracht. Dort wird er auch manchmal "Compé Anansi" oder "Tante Nancy" genannt (obwohl er meist männlich dargestellt wird) und inspiriert auch heute noch all jene Hilflosen, die sich durch Schläue und Raffinesse gegen ihre Unterdrücker wehren. Andere Helden und Gottheiten haben ihre mächtigen Waffen; Anansi hat Geschichten.
Früher gehörten die Geschichten nur dem Himmelsgott Nyame. Als Anansi danach fragte, stellte Nyame ihm eine Reihe von unmöglich scheinenden Bedingungen, darunter die Aufgabe, die gefährlichsten Kreaturen der Welt zu versammeln. Anansi wählte dafür nicht den direkten Weg, sondern nutzte die Eitelkeit und den Stolz der großen Bestien aus. Beispielsweise sorgte er dafür, dass die große Pythonschlange "zufällig" hörte, wie Anansi behauptete, dass sie niemals so lang sein könne wie ein bestimmter Ast. Als die Python sich dann auf den Ast legte, um ihre Länge zu beweisen, band Anansi sie an dem Ast fest und fing sie so. Nachdem Nyame sah, wie gerissen Anansi war, stimmte er zu, dass die Geschichten ab sofort Anansi gehören sollten. Seitdem werden in Westafrika nicht mehr Nyame-Geschichten, sondern Anansi-Geschichten erzählt.
Anansi ist kein strahlender Held. Wie viele andere Schwindler kann er selbstsüchtig sein. In dem Fall schlagen seine Pläne oft fehlt. Doch er ist für all jene ein passender Held, die sich auf ihre Schläue verlassen müssen, um sich durchzuschlagen.