Sivaguru und seine Frau, die im Dorf Kalady in Kerala lebten, waren arm und kinderlos (was sich im alten Indien mehr oder weniger bedingte). Doch das hielt sie nicht davon ab, regelmäßig im nahen Vadakkunnathan-Tempel in Thrissur zu beten. Irgendwann erschien Shiva dem Paar im Traum und machte ihnen einen Vorschlag: Entweder würden sie einen Sohn haben, der nur ein kurzes Leben hätte, aber der brillanteste Philosoph seiner Zeit werden würde - oder viele Söhne mit einem mittelmäßigen Leben. Sivaguru wählte einen brillanten Sohn und so kam es, dass Shankara um 788 n. Chr. auf die Welt kam.
Da es 14 verschiedene Biografien über ihn gibt, ist es alles andere als einfach, die Dichtung von der Wahrheit zu unterscheiden - aber alle sind sich einig, dass Shankara ein gläubiger Hindu war. Schon als Kind zeigte er einen Hang zu spirituellen Einblicken, konnte die Puranas zitieren und die Veden meistern. Adi Shankara glaubte von ganzem Herzen an die Veden, lehnte gleichzeitig aber auch die Forderung nach übertriebenen Ritualen und religiösen Praktiken ab. Als Jugendlicher bat er darum seine Mutter um Erlaubnis (sein Vater war schon verstorben), sich vom Weltlichen abzukehren und südwärts zu reisen, um einen Guru zu suchen. Den fand er schließlich in Govinda Bhagavatpada, der Shankara half, verschiedene Wege des Yogas zu meistern, darunter Hatha, Raja und Jnana. Adi schwor, die Lehren des Brahma-Sutra überall auf der Welt zu verbreiten (oder zumindest an den Orten, die er erreichen konnte).
Shankara wurde zu einem überzeugten Anhänger der "Nicht-Dualität" - er glaubte, dass jedes Individuum auf dem Weg zur Erlösung den Unterschied zwischen der individuellen Seele und der Weltseele erkennen muss. Dieses Konzept wurde zum zentralen Merkmal der Advaita-Vedanta-Lehre des Hinduismus, die er gründete. Daneben rief er auch den hinduistischen Orden Dashanami Sampradaya ins Leben.
Um auf die Geschichte seiner Geburt zurückzukommen, darf schließlich nicht unerwähnt bleiben, dass Adi Shankara im Alter von 32 Jahren in Kedarnath im Himalaya starb. Dieser Ort ist einer der wichtigsten hinduistischen Wallfahrtsorte.