Großkolumbien wurde großflächig von Konflikten beherrscht. Manchmal führte Bolívar militärische Kampagnen direkt in einem umkämpften Gebiet durch, wie in der "Campaña Admirable" (dt. bewundernswerte Kampagne) zur Befreiung Venezuelas. Doch gelegentlich schienen republikanische (anti-royalistische) Armeen unabhängig zu agieren. So war es bei Santiago Mariño. Ursprünglich stammte er von der Insel Margarita im heutigen Venezuela. Mariño versuchte im Alleingang, die Region von den Spaniern zu befreien. Während Bolívar aus dem Westen einfiel, griff Mariño Venezuela aus dem Osten an. Jeder gab an, für dieselbe Sache zu kämpfen, doch keiner erkannte den jeweils anderen als dominant an. Einer Geschichte zufolge prahlte Mariño in voller militärischer Montur vor seinem Attaché: "Antonio, ich bin jung, reich, gutaussehend, oberster General im Alter von nur 25! Was fehlt mir?" Sein Assistent sagte nur: "Umsicht".
Mariño musste schließlich nachgeben und Bolívar gab ihm das Kommando über die venezolanische Front. Die beiden kämpften weiterhin gemeinsam und wurden sogar zusammen verhaftet - von einem ihrer eigenen Generäle, José Ribas, der über die westliche Hälfte Großkolumbiens herrschen wollte.
Trotz allem hielt Mariño immer am Traum seines eigenen venezolanischen Staates fest. Nachdem José Antonio Páez schließlich die Unabhängigkeit Venezuelas erklärt hatte, erklärte Mariño im Gegenzug den "Staat des Ostens" für unabhängig. Mariño musste fliehen, als seinem im Werden begriffenen Staat ein jähes Ende gesetzt wurde, doch seine Überzeugung blieb stark - er sollte einen Putschversuch anführen und später, als Páez’ Rivalen die Macht an sich rissen und den ehemaligen Präsidenten absetzten, war es Mariño, der ihm auf dem Schlachtfeld entgegentrat - und ihn besiegte.