Politik wirkt oft chaotisch. Stümperhafte Anführer können törichte Entscheidungen treffen, die das Wohlergehen und die Sicherheit ganzer Nationen in Gefahr bringen, und Entscheidungen werden allzu häufig nur mit Blick auf kurzfristige Ziele getroffen. So verwundert es kaum, dass die Menschen von einer Welt träumen, die anders ist. Gerüchte über Schattengesellschaften, die im Hintergrund die Fäden der Macht zum Guten oder (viel häufiger) zum Schlechten ziehen, existieren schon seit Jahrhunderten. Wir geben uns diesen Gerüchten hin, weil sie dem augenscheinlichen Chaos eine Struktur zu geben scheinen (und Verschwörungstheoretikern das Gefühl verleihen, das Geheimnis zu kennen), auch wenn diese geheime Wahrheit feindselig erscheinen kann. Wie bei einem Puzzle entsteht ein Gefühl der inneren Befriedigung beim Zusammensetzen von Teilen, die scheinbar zusammengehören ... selbst wenn diese Teile in Wahrheit nie so zusammengehören, wie wir es gerne hätten.
Viele dieser Verschwörungstheorien stammen aus der Zeit der Aufklärung. Die neuen Denkweisen, die Europa im Sturm eroberten, standen im Widerspruch zur kirchlichen und königlichen Gewalt. Neue Gruppierungen von Menschen (überwiegend Männern) setzten sich das Ziel, rationales Denken auf alles anzuwenden, was zuvor als unbestreitbar galt. Diese Gruppierungen – die Freimaurer, Illuminaten (eine bayerische Gruppierung) und andere – bestanden überwiegend aus einflussreichen, jedoch nicht adligen Männern: Händler, Gutsherren und andere. Sie wurden meist zu Opfern von Repressionen durch reaktionäre Kräfte, denn weder die Kirche noch die Krone waren sonderlich begeistert von der Vorstellung, ihre Legitimität von einem Haufen "Freidenker" in Frage stellen zu lassen. Nach der Französischen Revolution – die einen König nicht nur absetzen, sondern hinrichten ließ – entstand eine tiefgreifende Panik vor säkularen politischen/philosophischen Gesellschaften, die im Laufe des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt fand, insbesondere in Kombination mit dem Aufkommen kommunistischer und sozialistischer Gruppierungen. Diese Spannung sollte anhalten – diese Gesellschaften stellten die alte Ordnung in Frage und wurden im Gegenzug des Verrats, der Gottlosigkeit und anderer Verbrechen beschuldigt. Die Eulen der Minerva – benannt nach den bayerischen Illuminaten – stehen in Civilization nicht für die historischen intellektuellen Gesellschaften, sondern für ihre volkskulturelle Entsprechung: die gefürchtete Kabale von mächtigen Männern, die im Hintergrund zeitgenössischer Politik die Fäden ziehen.