Unter der mazedonischen Dynastie (867 bis 1057) erreichte das Byzantinische Reich - Erbe der Macht Roms und der Kultur Griechenlands - seine größte Ausdehnung und Einfluss, während es sich von einigen Jahrhunderten des Verfalls erholte. Angefangen mit Basileios I. konnten eine Reihe kompetenter Führer Siege über die Araber und die Bulgaren erlangen und verlorene Territorien in Syrien und auf dem Balkan zurückgewinnen. Zu diesen Erfolgen gesellte sich wirtschaftliches Wachstum und ein Aufblühen der Kunst, Wissenschaft und Religion. All die Gedanken über die Religion der Patriarchen dieses Landes führten, so scheint es, zum Morgenländischen Schisma, der Spaltung zwischen dem östlich-orthodoxen und dem römisch-katholischen Glauben im Jahr 1054.
Die byzantinischen Anführer ab 850 entwickelten eine sprichwörtliche Hassliebe zum Wikingerkönigreich von Kiew im Norden. Das Reich wurde schnell zum wichtigsten Handelspartner für Kiew, man tauschte Luxusgüter gegen die Rohmaterialien, die es im Landesinneren nördlich des Schwarzen Meeres so reichlich gab. Nach der "Christianisierung" der Rus holte sich Wladimir von Kiew byzantinische Architekten und Künstler für alle Arten von religiösen Projekten. In den nächsten Jahrzehnten heirateten Mitglieder der kaiserlichen Familien aus Kiew und Byzanz häufig untereinander, und Byzanz setzte die unerschrockenen Wikingerkrieger freizügig als Söldner ein (vor allem in der berühmten Warägergarde). Aber die Beziehungen waren nicht immer so herzlich, über die Jahrzehnte griffen Plünderer aus den Reihen der Wikinger oder der Rus mehrfach byzantinische Siedlungen an.
So anders der Osten auch sein mochte: Seine Handelswege machten ihn für das Reich unverzichtbar, wie die Etablierung Konstantinopels als römische Hauptstadt im Jahr 330 n. Chr. belegt. Konstantin war außerdem der erste römische Kaiser, der sich zum Christentum bekannte. Der geografische Umzug und der religiöse Wandel schienen ein neues Zeitalter in der römischen Geschichte einzuläuten, aus dem schließlich das Byzantinische Reich hervorging. Das westliche Reich wurde in den hundert Jahren nach Konstantin immer wieder von europäischen Barbaren überfallen, während der Osten einigermaßen stabil und wohlhabend blieb - auch wegen der bereits erwähnten Handelswege, die nach Persien, Indien und China führten. Nach der Absetzung des letzten römischen Kaisers im Westen 476 n. Chr. gab es keinen Nachfolger. Diesen Zeitpunkt sehen die meisten Historiker als den Beginn des römischen Untergangs.
Dabei ging Rom eigentlich gar nicht unter. Das Römische Reich war ab diesem Zeitpunkt gleichbedeutend mit Konstantinopel und die Menschen, die von Historikern (und uns) heute "Byzantiner" genannt werden, bezeichneten sich selbst weiterhin als "Römer". Die östliche Kultur war ganz anders als die des Westens. Im Osten sprach man überwiegend Griechisch (obwohl das byzantinische Volk auch Koptisch in Ägypten, Syrisch im Nahen Osten und weitere Sprachen beherrschte) und das im Westen bereits bedeutsame Christentum wurde in Byzanz zum wesentlichen Bestandteil des Lebens. Die Untertanen des byzantinischen Kaisers sahen in ihm Gottes Stellvertreter auf Erden und den Verteidiger des christlich-orthodoxen Glaubens.
Wenn Konstantin die Seele von Byzanz war, so war Justinian (Kaiser von 527-565) der Geist, der es in Bewegung setzte. Daraus wäre jedoch beinahe nichts geworden, da begeisterte Anhänger rivalisierender Streitwagenfahrer (die jeweils unterschiedlichen politischen Richtungen angehörten) bei Ausschreitungen Zehntausende Menschen töteten, die Stadt in Schutt und Asche legten und den Kaiser beinahe das Leben kosteten. Schlimmer noch waren jedoch die Kriege, die Justinian geerbt hatte: Byzanz grenzte an ein feindseliges Sassanidisches (persisches) Reich sowie barbarische Königreiche dort, wo einst das Weströmische Reich gewesen war: die Goten in Rom, die Wandalen in Nordafrika. Außerdem hatte Justinian ein Reich mit einer unüberschauberen Masse an Gesetzen und Bräuchen geerbt, die sich oft widersprachen.
Justinian stellte sich diesen überwältigenden Problemen, so gut er konnte. In Konstantinopel beauftragte er einen Rat mit der Überprüfung der relevanten Gesetze und der Aufstellung eines "Codex Iustinianus". Er handelte einen Frieden mit Persien aus und eroberte durch einen langwierigen Krieg mit den gotischen Königreichen Rom und Teile der italienischen Halbinsel zurück. In Nordafrika führte Justinian Krieg gegen die Wandalen und schlug sie verheerend - Historiker gehen von fast fünf Millionen Opfern aus. Die Beulenpest, die zu diesem Zeitpunkt erstmals in der europäischen und afrikanischen Geschichte auftaucht, könnte ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Justinian hinterließ ein Reich, das zwar nicht vollständig wiederhergestellt, aber wohlhabend war. Rom war wieder in römischer (besser gesagt byzantinischer) Hand. Unter Justinians Herrschaft war das Byzantinische Reich so groß wie nie.
Doch gerade, als Byzanz den Titel Roms als größte Macht im Mittelmeerraums für sich zu beanspruchen schien, tauchte eine neue Figur auf der Bildfläche auf. Etwa fünfzig Jahre nach Justinians Tod erschien der arabische Prophet Mohammed. Gestützt durch ihren neuen Glauben, den Islam, breiteten sich die arabischen Mächte rasch aus. Das geeinte Kalifat zerbrach zwar kurz nach Mohammeds Tod, doch seine Nachfolger - das Kalifat der Umayyaden und das Rashidun-Kalifat - eroberten schnell Gebiete zurück, die Byzanz den Persern abgerungen hatte, insbesondere die wichtigen Provinzen Syria und Ägypten. Gleichzeitig bedrohten neue Invasoren aus Nordeuropa - die Slawen - byzantinische Gebiete im Balkan.
Im Jahr 674 wurde Konstantinopel zum ersten Mal (aber nicht zum letzten) von arabischen Streitkräften belagert. Diese errichteten in der Nähe Marinestützpunkte, von denen aus sie die große Stadt jahrelang überfielen. Der damalige byzantinische Kaiser Konstantin IV. und die kolossale Theodosianische Mauer ließen sich jedoch nicht so leicht kleinkriegen. Der Kaiser wehrte die Angreifer auf dem Wasser mit einer verheerenden neuen Waffe ab: einer Mischung aus Öl und Branntkalk, die selbst auf der Wasseroberfläche weiterbrannte. Das neuartige "Griechische Feuer" vertrieb die Belagerer zumindest vorläufig.
Inzwischen befand sich das Byzantinische Reich in einem traurigen Zustand. Immer wieder kam es zu Überfällen, der Westen war zum Großteil an die Barbaren gefallen, und der Verlust der meisten Besitztümer in Afrika und dem Nahen Osten führte zu einer weitreichenden Stagnation. Wir erinnern uns an die Handelswege im Osten, die so wichtig waren ... Dieses Gold floss jetzt in die arabischen Staaten. Die byzantinischen Städte leerten sich, Konstantinopel schwand dahin. Aus dem Balkan mussten Streitkräfte abgezogen werden, um gegen die Perser und Araber zu kämpfen. Die Slawen, die ihrerseits vor Invasoren aus der zentralasischen Steppe zurückweichen mussten, konnten sich so ausbreiten, und ihre neuen Siedlungen verschmolzen zu Bulgarien, das mal ein Verbündeter, aber oft ein Feind der Byzantiner war.
Das Kalifat der Umayyaden, dessen Eroberungen in Spanien gut vorangingen, sah in diesen Konflikten eine neue Gelegenheit, die Stadt zu erobern, und belagerte Konstantinopel zum zweiten Mal. Weil die Araber dieses Mal unbedingt gewinnen wollten, sicherten sie sich (so glaubten sie) die Loyalität des ehrgeizigen Generals Leo, der schon ein Militärabkommen mit den Bulgaren ausgehandelt hatte. Leo erklärte sich selbst zum Kaiser, wollte jedoch kein Vasall der Umayyaden sein. Er schloss die Tore und setzte das gefürchtete Griechische Feuer und andere raffinierte Verteidigungen ein, darunter eine über einem strategischen Schifffahrtsweg angebrachte Kette, die Schiffe anhielt, sodass sie dem Griechischen Feuer ausgesetzt waren. Leo etablierte eine neue römische Dynastie, und die arabischen Anführer zogen sich zurück. Die gescheiterte Belagerung hatte tatsächlich einen starken religiösen und politischen Einfluss in Osteuropa und Russland, den wir bis heute spüren.
Bis zu diesem Punkt scheint es vielleicht so, als sei die Geschichte der Byzantiner vor allem von Fehlschlägen geprägt. In den darauffolgenden Jahren kam es jedoch zur Restauration. Unter der Herrschaft von Basilius I. und Basilius II. erneuerte das Byzantinische Reich sein Militär mit dem professionellen Tagma-System und Innovationen im Bereich der Kavallerie. Die byzantinischen Streitkräfte verhinderten Invasionen durch die Araber - jetzt unter dem Abbasiden-Kalifat - an der Ägäis-Küste, und Basilius II. führte eine brutale Kampagne an, um die Bulgaren zu unterwerfen. Was von ihnen übrig blieb, wurde 1018 ins Reich eingegliedert (ein Jahrhundert später wurden sie wieder unabhängig). Auch Ereignisse im weit entfernten Skandinavien hatten Auswirkungen auf Byzanz, denn die Rus plünderten entlang der Wolga und die Normannen bedrohten den Mittelmeerraum. Gerechterweise muss man jedoch auch erwähnen, dass manche dieser Gruppierungen auch im byzantinischen Militär dienten.
In den 1100er Jahren erlebte Byzanz sein letztes Goldenes Zeitalter. Kunst und Literatur blühten auf, und die Infrastruktur der Stadt und des Landes machte große Fortschritte. Religion war wesentlich für das Leben der Byzantiner, und die Spaltung zwischen dem im alten Rom und dem Westen angesiedelten Katholizismus und der Orthodoxie von Byzanz, Griechenland und dem Osten vollzog sich zu dieser Zeit. Beeinflusst von muslimischen Ideen und dem biblischen Verbot von Götzenbildern sprachen sich die orthodoxen Christen des 8. und 9. Jahrhunderts gegen das Erschaffen von Ikonen, Abbildern religiöser Gestalten, aus. Der römische Papst war jedoch anderer Meinung (daraus entbrannten Spannungen, die letztendlich zur Distanzierung vom byzantinischen Rom im Jahr 756 führten). Dieser so genannte "Byzantinische Bilderstreit" sollte zwar wieder abebben, doch die Spaltung blieb bestehen, da Konstantinopel nicht mehr die römischen Päpste ernannte. Im Jahr 1054 trennten sich die westliche (katholische) und die östliche (orthodoxe) Kirche endgültig voneinander. Dieses Mal stritt man sich jedoch nicht um Ikonen, sondern um den Vorrang des Papstes in Rom vor den Patriarchen anderer Städte sowie diverse rituelle und theologische Aspekte. Diese Kirchenspaltung war gleichzeitig Symptom und Ursache der Trennung von Ost- und Westeuropa hinsichtlich der Schriften (kyrillisch und lateinisch), Sprachen (Griechisch und Latein) und Bräuche.
Nie war diese Spaltung deutlicher zu spüren als im Jahr 1204, während des katastrophalen Vierten Kreuzzugs. 1182 war ein Usurpator namens Andronikos Komnenos nach Konstantinopel gekommen, das zu dieser Zeit unter der Regentschaft der unbeliebten Prinzessin Maria von Antiochia stand, die Latein sprach und dem Westen verbunden war. Das Volk hatte Maria beschuldigt, Katholiken gegenüber den orthodoxen Gläubigen zu bevorzugen. Sie wurde abgesetzt, und die orthodoxe Krone begann daraufhin, katholische, Latein sprechende Bürger Konstantinopels zu massakrieren. So verstärkten sich westliche Ressentiments gegen Byzanz und einige Jahrzehnte später plünderten Kreuzritter, die eigentlich Jerusalem als Ziel hatten, stattdessen Konstantinopel und etablierten einen katholischen Kreuzfahrerstaat als "Lateinisches Reich". Obwohl die Kreuzritter schließlich weiterzogen, war die Spaltung zwischen Ost und West damit endgültig besiegelt.
Zudem kam jetzt eine weitere Macht ins Spiel: Das Volk der osmanischen Türken aus Zentralasien, die sowohl byzantinische als auch arabische Herrscher bisher als Söldner eingesetzt hatten, kämpfte nun um sein eigenes Königreich. Byzanz verlor immer mehr an Territorium, bis die berühmten Mauern von Konstantinopel 1453 schließlich dem Bombardement der Osmanen zum Opfer fielen.
Das ehemalige Konstantinopel heißt heute Istanbul, doch seine Wurzeln reichen bis zur Orthodoxen Kirche, bis nach Russland, Griechenland, Ägypten und Osteuropa. Die berühmte Theodosianische Mauer von Konstantinopel ist in Teilen bis heute erhalten geblieben.